Modern Birds
6 März - 15 Apr.
Von zwitschernden Spatzen bis hin zum Storch von Den Haag: Vögel sind ein fester Bestandteil des Stadtlebens. In der Außenausstellung Modern Birds im Museumskwartier übersetzen internationale Künstler diese alltägliche Präsenz in überraschende Kunstwerke im öffentlichen Raum.
Eine Freiluftausstellung im Museumsviertel
Ein Adler steht für Kraft, die Eule verkörpert Weisheit und Schwalben bringen Glück. Wir schreiben Vögeln oft menschliche Eigenschaften zu und erheben sie gerne zu Symbolen. Sie gehören zu den frühesten Tierarten und begleiten uns seit Urzeiten, als wir noch in Höhlen lebten.
Auch in der heutigen städtischen Umgebung sind sie nicht mehr wegzudenken: von gurrenden Tauben und krächzenden Krähen bis hin zu fröhlich zwitschernden Spatzen und ohrenbetäubend kreischenden Halsbandpapageien. Und im Stadtwappen von Den Haag spielt der Storch die Hauptrolle.
Vögel sind einerseits ganz nah und vertraut, andererseits aber auch ungreifbar. Selbst in einem Käfig oder im Blickfeld eines Naturfotografen oder Vogelbeobachters haben wir keinen Zugang zu ihrer Lebens- und Erlebniswelt. Sie sind ein Rätsel. Außerdem können sie jeden Moment ihre Flügel ausbreiten und flatternd verschwinden – eine Eigenschaft, von der wir als Wesen, die der Schwerkraft unterworfen sind, nur träumen können.
Aus all diesen Gründen lassen sich Künstler seit Jahrhunderten von Vögeln inspirieren. Im Mauritshuis hat Gastkurator Simon Schama anhand des berühmten Gemäldes „Der Goldfink” (1654) von Carel Fabritius einen historischen Überblick über die „Vogelkunst” erstellt.
In dieser Ausstellung, Modern Birds, zeigen zeitgenössische Künstler ihre Vorliebe für Vögel. Denn sie sprechen nach wie vor die Fantasie an: ihr prächtiges Gefieder, ihr Lockruf, der den Frühling einläutet, ihr Nestbauinstinkt und ihre Fähigkeit, wegzufliegen und aus großer Höhe einen relativierenden Blick auf das irdische Leben zu werfen.
Herman Lamers: Zwei Pinguine
Tiere unterscheiden sich zwar grundlegend von Menschen, dennoch können wir uns mit ihnen als „den Anderen” identifizieren. Wir können uns mit ihnen identifizieren, uns ihre Erfahrungen vorstellen und uns in ihnen wiedererkennen. Auch Tiere kennen Unbehagen, Unbeholfenheit und Verwirrung. Herman Lamers macht dies in seinen Skulpturen, die oft Tiere zum Thema haben, deutlich: ein Lama, das Socken trägt, ein Hund, der zweifelnd in einen Spiegel blickt, ein Zebra, das irgendwie in einem Vogelnest hoch in einem Baum gelandet ist.
Auch die Pinguine, die Lamers für die Bleiswijkstraat in Rotterdam geschaffen hat, treten in einen Dialog mit Anwohnern und Passanten. Sie stehen nebeneinander auf einer erhöhten Plattform und sind auf eine Seifenkiste geklettert, um eine Rede zu halten – ernsthaft, aber aufgrund der ganzen Aufmerksamkeit auch etwas unbehaglich. Es ist, als wäre der Nachbar mit Bierbauch und einer Meinung zu allem als arktischer Vogel wiedergeboren worden.
Herman Lamers - Zwei. Pinguine. Foto: Christian van der Kooy.
Hans van Asch: Another World, City Life, Space Invaders, Stillevens met gevogelte
Hans van Asch hat in seinem Garten im Freien ein Fotostudio für Vögel, nicht für Menschen, eingerichtet. Es besteht aus einem Tisch, auf den der Künstler ständig wechselnde Modelle seiner eigenen Kreation stellt. Er positioniert seine Softbox und seinen Blitz, setzt sich hinter die Kamera und wartet. Es dauert jedoch meist nicht lange, bis eines seiner gewünschten Modelle auf der Stange landet, die er einladend inmitten der Miniaturszene aufgestellt hat.
Van Aschs Arbeit untersucht die Interaktion zwischen Fotograf und Vogel, zwischen dem menschlichen Blick und dem beobachteten Tier, zwischen Regisseur und Schauspieler. Die Kulisse spielt dabei eine entscheidende Rolle. Ein Buchfink oder eine Meise kann in einem industriellen Niemandsland, einer rauen Hintergasse oder auf einem gespenstischen Platz erscheinen, der in einem Gemälde von de Chirico nicht fehl am Platz wäre. Es bleibt dem Betrachter überlassen, zu entscheiden, ob die Besetzung gelungen ist.
Hans Van Asch – Boulevard By Night 2024
Haevan Lee: Orange Zone
„Und nur die Vögel fliegen von Ost- nach West-Berlin“, sang die niederländische Popgruppe Klein Orkest 1984 in Anspielung auf die Mauer, das prägende Symbol des Kalten Krieges. Der Song hätte genauso gut von der DMZ handeln können: der 248 Kilometer langen und 3,5 Kilometer breiten Pufferzone auf der koreanischen Halbinsel, die den kapitalistischen Süden von der totalitären Diktatur im Norden trennt. Die Künstlerin Haevan Lee wuchs in der Nähe der DMZ auf. Die militarisierte Grenze taucht häufig in ihren Werken auf, oft in Verbindung mit Vögeln.
In Orange Zone geht es um die Zugvögel, die jeden Winter aus dem Norden über die DMZ in den wärmeren Süden fliegen. Sie passieren die orangefarbenen Warnschilder, die im Unterholz am Boden versteckt sind und Flugzeuge davor warnen, diese Grenze leichtfertig zu überqueren. Aber genau wie in Berlin schenken die Vögel diesen menschlichen Beschränkungen keine Beachtung. Schließlich ist es nicht ihr Krieg, aber es ist ihr Lebensraum.
Haevan Lee – Orange Zone
Luke Stephenson: Incomplete Dictionary of Show Birds
Als der legendäre britische Großwildjäger Jim Corbett (1875–1955) sein Gewehr gegen eine Kamera tauschte und sich dem Naturschutz zuwandte, bemerkte er: „Ich schieße immer noch auf Tiere – ich töte sie nur nicht mehr.“ Ähnliches lässt sich über den ebenfalls britischen Luke Stephenson sagen. Auch er sammelt Vögel, allerdings nur in fotografischer Form. Sein Objektiv richtet sich auf die Besitztümer derer, die Singvögel für Wettbewerbe halten. Stephenson taucht seit nunmehr 15 Jahren in diese Subkultur ein und arbeitet mit fast obsessiver Hingabe seine Liste der „noch zu fotografierenden Vögel“ ab.
Stephenson fotografiert Vögel auf sehr stilisierte Weise: im Profil, auf einer einfachen Stange. Der monochrome Hintergrund wird manchmal wegen des Kontrasts gewählt, manchmal wegen der raffinierten Ton-in-Ton-Harmonie. Stephenson bringt die einzigartige Schönheit jedes Vogels mit einfachsten Mitteln zur Geltung. Zusammen bilden sie einen Chor aus individuellen Klängen und Farben.
Luke Stephenson – Black Earred Wheateater (links) en Linnet (rechts)
Studio Ossidiana: Pigeon Tower, The Birds’ Palace, City of Birds, Platform for Humans and Birds, Furniture for a Human and a Parrot
Den Haag hat über 569.000 Einwohner, wenn man nur die Menschen zählt. Rechnet man allein die Tiere und Vögel hinzu, beläuft sich die Gesamtzahl auf mehrere Millionen. Studio Ossidiana widmet diesen oft übersehenen Nutzern des öffentlichen Raums besondere Aufmerksamkeit. Sie haben das Glück, fliegen zu können, denn allzu oft werden sie von Orten vertrieben, auf die sie ebenso viel Anspruch haben wie wir. Menschen sind unerbittliche Konkurrenten.
Aus diesem Grund schafft Studio Ossidiana Zufluchtsorte für Vögel, die von stilisierten Taubenschlägen bis hin zu Papageiensitzen reichen. Diese Rastplätze sind oft mit Futterstellen kombiniert und bilden so etwas wie Tankstellen für Vögel. Die dort ausgeschiedenen Samen schlagen Wurzeln im Boden unter den Konstruktionen und sprießen zu Blüten – der natürliche Kreislauf in seiner vollendeten Form. In diesen kleinen irdischen Paradiesen müssen sich die Menschen auf die Rolle des Zuschauers beschränken. Architektur, Design und Kunst dienen ausnahmsweise einmal nicht ihnen, sondern unseren gefiederten Mitbewohnern in der Stadt.
Studio Ossidiana - Platform for Humans And Birds en Variations on a Birdcage. Fotos: Christian van der Kooy.
Rosemin Hendriks: Swans
Rosemin Hendriks findet ihre Motive in ihrer unmittelbaren Umgebung. Sie ist vor allem für ihre Selbstporträts bekannt, die eigentlich gar keine Selbstporträts sind. Ihre Gesichtszüge sind in diesen gezeichneten Gesichtern mit ihren markanten Augen leicht zu erkennen, doch sie sind weniger die Darstellung einer bestimmten Person als vielmehr Ausdruck von Emotionen oder Facetten einer Persönlichkeit. Hendriks nutzt ihr eigenes Gesicht als Leinwand für menschliche Ausdrucksformen, die über das Persönliche hinausgehen.
Das Gleiche gilt für die Schwäne, denen sie auf ihren täglichen Spaziergängen durch den Park in der Nähe ihres Zuhauses begegnet. Hendriks zeichnet sie im gleichen Stil wie ihr Gesicht: klar umrissen, in Schwarz, Weiß und Grautönen. Details lösen sich in Abstraktion auf, und manchmal verschmelzen die Körper der Schwäne mit ihren Spiegelbildern. Dadurch werden sie zu Symbolen reduziert – oder vielleicht besser gesagt: erhöht. Bekannt für ihre Monogamie, verkörpern Schwäne hier Liebe und ewige Treue.
Rosemin Hendriks – Zonder Titel 2023 en Zwaan 2018
Modern Birds ist eine Außenausstellung des Stadtprogramms BinnenhofBuiten. BinnenhofBuiten organisiert Veranstaltungen und Aktivitäten während der Renovierung des Binnenhofs und ist ein Projekt von The Hague & Partners für die Gemeinde Den Haag. BinnenhofBuiten wird von der Kuratorin Mary Hessing zusammengestellt.
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